Krankheitsberechtigung

Seit Wochen grassiert eine schlimme Grippewelle und ich treffe auf viele Freunde und Bekannte, die mir die Geschichten ihrer Krankheitsverläufe erzählen. Schauderhafte Geschichten, immer mit der Überschrift: „Ich kann mich nicht erinnern, dass es mich jemals dermaßen niedergestreckt hätte.“ Ein Freund erzählte mir, dass er halluzinierte: er hätte seine Frau mit seiner Ex-Frau in der Küche streiten hören. So lange, bis er sich aus dem Bett erhob und in Richtung Küche lautstark um Ruhe bat. Sein Sohn hätte ihn dann ins Bett zurückgebracht und ihm versichert, dass da garantiert niemand in der Küche sei. Außerdem ist meinem Freund dann eingefallen, dass seine Ex-Frau ja gar kein deutsch spricht… ein anderer Freund erzählte mir, er wäre Teil einer Maschine gewesen und er musste diese Maschine ständig mit den Beinen antreiben. Kurios und schlecht zu überbieten. Denn ich war in diesen Tagen auch krank. Aber nur kurz und auch nicht so schlimm. Um es genau zu sagen: Ich habe eine Nacht auf dem Klo verbracht und am übernächsten Tag war ich wieder ganz gut auf den Beinen. Trotzdem! Es war auch nicht schön. Aber niemand interessiert das. Im Gegenteil: ich werde sogar beneidet, weil ich wieder zwei Kilo leichter bin, weil ich gerade mal eine Magendarmgrippe von meinem Idealgewicht entfernt bin.
Es ist sowas von ungerecht. Vielleicht denk ich mir aber auch noch eine Halluzinationsgeschichte aus: ich war der Dienstwagen von Donald Trump und eigentlich ein Transformer, der sich schließlich in einen riesigen Frisör verwandelte, mit so Scherenhänden… oder: ich lag im Bett und musste ständig erklären, dass ich wirklich krank bin, aber alle lachten nur und schüttelten die Köpfe… grausamer geht’s nicht mehr.