Konzepthotel

02.03.16
Ich bin wahrlich kein verklemmter Mensch. Wirklich nicht. Aber neulich war ich in einem sehr schicken Hotel. Sauteuer!… ich war eingeladen. Ein Konzepthotel. Das heißt: Am Boden überall breite dunkle Holzdielen, nur indirekte Beleuchtung mit Lichtschaltern, die man erst nach zwei Stunden intensivster Suche findet und überall Schiebetüren… alle aus Glas…
auch vor dem Klo.
Wiegesagt: ich bin wirklich nicht verklemmt. Aber ich hab mich tatsächlich geschämt. Vor mir selber. Diese Glasschiebetüren spiegeln nämlich. Ich kann dann nicht! Dabei war ich schon heilfroh, dass es nur ein Einzelzimmer war. Nicht auszudenken, wenn mir auch noch von außen jemand hätte zuschauen können. Womöglich vom Bett aus. Allein der Gedanke daran steigerte meine Hemmungen um ein Vielfaches. Gott sei Dank waren ausreichend viele Handtücher in der Dusche und in meinem Koffer habe ich immer eine Rolle Gaffer-Tape. Damit hab ich die Schiebetür behängt und verklebt. Aufgrund meiner eingeschränkten Geschicklichkeit bezüglich jeder Form von Bastelarbeiten, verlangte die Aktion einen gewissen zeitlichen und energetischen Aufwand. Aber ich schaffte es. Die ganze Schiebetür. Absolut blickdicht. Was nicht behängt war, war beklebt. Aber jetzt musste ich feststellen: die Schiebetür war nicht mehr zu bewegen. Die Handtücher verklemmten sich in den Laufleisten und waren nur noch mit Gewalt zu entfernen.
Handtücher zerfetzt und Schiebetür aus den Angeln gehoben. Hab ich aber wieder hingekriegt. So einigermaßen. Ich war jedenfalls zufrieden.
Einziges Problem: ich war noch immer nicht auf dem Klo.
Folglich verzichtete ich auf jede Form von Tür bzw. Verriegelung.
Ich schloss die Augen, trällerte ein fröhliches Lied und stellte mir dabei meine heimische Toilette vor…