Ich gratuliere, Herr Spaenle

Die CSU nimmt Abstand vom G8, ja, inzwischen sogar schon von der Mischform G8/G9. Weil sie inzwischen so viel Druck von der eigenen Basis bekommt, dass die alten Konzepte nur noch am Wackeln sind. Woran jetzt emsig gearbeitet wird:
Man muss es den Leuten als die eigene, große Erkenntnis verkaufen, dass man den Kindern doch besser Zeit gibt,
zum Lernen. Was für ein gigantischer Zynismus:
über Jahre hat man den Druck auf die Kinder und die Eltern erhöht und hat die Augen davor verschlossen,
welche gesellschaftlichen Folgen ein verkürztes Gymnasium hat und jetzt entdeckt man wieder das Kindeswohl,
weil die Kosten und Umstände, die ein G8 mit wahlweise G9 mit sich bringen, dann doch zu unübersichtlich werden.
Man will nicht sehen, was man in den letzten Jahren angerichtet hat: Musik- und Sportvereine leiden unter Nachwuchsmangel, ehrenamtliche Tätigkeiten gehen zurück. Dafür schossen Nachhilfe-Institute wie die Pilze aus dem Boden.
Der Sport- und Kunstunterricht wurde zusammengestrichen, das Schilager findet nicht mehr statt.
Alles, was soziales Lernen, was den Sinn für Gemeinwesen schafft, wurde gekürzt oder ganz vernichtet.
Alles Kreative wurde in den Hintergrund gestellt.
Ich möchte nicht sagen, dass man ausschließlich Lernmaschinen für Sprachen und Naturwissenschaften geschaffen hat. Denn Gott sei Dank gibt es viele Eltern und Lehrer, die den Wert von Gemeinschaft und Kultur noch erkennen und die Kinder selbsttätig gefördert haben.
Eben so weit, wie es der zeitliche Rahmen noch hergab.
Ich bin froh, wenn zukünftige Gymnasiasten wieder mehr Zeit bekommen, wenn man ihnen wieder Raum zur Entfaltung gibt. Davon profitiert eine ganze Gesellschaft. Ich gratuliere allen Eltern, die ihr Kind ins G9 schicken können. Und ich gratuliere Herrn Spaenle, zu seinen großartigen, neuen Erkenntnissen!