der Witz von Kitz

29.04.16
In Kitzbühel, da leben die Reichen und Schönen.
Ein entrückter Ort, ein eigener Planet in herrlichster Berglandschaft,
etwas Unerreichbares, zumindest für mich. Jetzt bin ich da aber trotzdem einfach mal hingefahren und muss sagen: Kitzbühel gibt es! Glaub ich.
Ich befand mich in einem Gebäude, das direkt im Gemeindezentrum liegt. Folglich muss da drumherum Kitzbühel gewesen sein.
Und in dem Gebäude, da waren Kitzbühler, und die waren genau von der Art, wie ich mir Kitzbühler vorgestellt hatte.
Aber dann passierte etwas, das so gar nicht in meine Klischée-Schubladen passen will. Folgendes:

Ein etwa 80jähriger Pressefotograf schleppte sich vor der Vorstellung über mehrere Stufen zum Theatersaal empor und wurde vom Hausherrn begrüßt,
mit einem lauten und herzlichem:
„Ja, Du alter Depp, daschnaufst Du das schon noch?!“
Der alte Fotograf lachte über das gesamte Gesicht und gab zurück:
„Muss ich mich von so einem jungen Arschloch so anreden lassen, ha!?“
Hausherr und Pressefotograf lachten, umarmten sich und ich stand daneben und lachte mit. So viel Herzlichkeit, in Verbindung mit bodenloser Unverschämtheit, hatte ich noch selten erlebt. Die beiden machten weiter: „Sei doch froh, wennst einmal von Deiner grantigen Alten wegkommst.“ „Was für ein Alte?“ „Ja, is hi?“ „Da miaßat i amal nachschaun.“… Es entspann sich eine Orgie mit den unglaublichsten Beleidigungen, begleitet von höchster Belustigung, gipfelnd in der Bemerkung: „Ge Bursch, lass Di schnell fotografiern. Dann schleich i mi eh wieder. Weißt, Dein Krampf intressiert mi net direkt a so.“
Das sagte der Fotograf tatsächlich und freute sich dabei so sehr über sich selbst, dass ich ihn nur begeistert anstrahlen konnte, während er zweimal auf den Auslöser drückte.
Selten hat mich jemand so entwaffnet und noch nie hat mir jemand den Spruch entlockt: „Jetzt bleib halt wenigstens, bis ich mit meim Scheißdreck anfang!“
Er blieb nicht, aber seinem Gelächter konnte ich entnehmen:
für mindestens drei Sekunden, war ich sein bester Spezl!