Almenrausch

Auf der Alm. Schönstes Wetter, leichte Brise.
Die Sonne ist schon warm, der Wind ist noch kühl.
Die Wiesen sind übersäht mit Schlüsselblumen, Buschwindröschen und Krokus.
Ein Ausblick über überzuckerte Gipfel, ein fast unwirklicher Traum. Die besten Plätze vor der Hütte sind natürlich besetzt.
An der Sonnenseite, mit dem Rücken an die Hütte gelehnt.
Mit anderen Worten:
Man sitzt relativ windgeschützt, hat die volle Bräunung und die tollste Aussicht. Wer einen solchen Platz ergattert, gibt ihn so schnell nicht wieder her.
Die andern sind entsprechend enttäuscht.
Man checkt die Fitness-app am Handy, um sich wenigstens zu bestätigen: „Ich bin heute richtig viele Schritte gegangen, der Kalorienverbrauch ist maximal, ich habe heute meine Lebenserwartung um mindestens zwei Wochen verlängert.“
Am Nebentisch, im Halbschatten, eine monologisierende Mutter, mit ihrem Sohn:
„Was willst Du denn nach dem Abi machen?
Bist Du sicher, dass Du mit Deiner Vorbereitung hinkommst? Tust Du auch viel genug für Mathe? Jetzt zieh nicht so einen Flunsch. Du wirst Dich doch mal mit Deiner Mutter vernünftig unterhalten können.“
Auf der andern Seite. Ein junger Mann, mit Hipster-Bart:
„Also, ich hab eine Top-Idee für das neue Lokal.
Ich nenne es „zum lustigen Seewirt“!“
Darauf seine Begleitung, in rosa Windjacke und schwarzer Leggin, die Augen geschlossen, das Gesicht in die Sonne gereckt: „Also, ich würds „Acocado“ nennen.“
Wir befinden uns auf einer Almhütte, auf über 1300 Meter und aus einer anderen Ecke höre ich:
„Also, ich hab echt schon mal besseren Fisch gegessen.“
Ich sitze mit einem Ehepaar aus Berlin am Tisch.
Die strahlen nur, sind völlig entspannt und meinen:
„Nirgends ist es so schön, wie hier.
Wir kommen jedes Jahr her.“