Abgelesen

Das war schon lustig, als der Trump vor Hunderten von Anhängern (oder waren es Zehntausende?)
irgendeine Nachricht aus Schweden erfindet und seine Einwanderungspolitik damit unterstreichen will.
Oder war es eher schlimm als lustig?
Ich kenn mich da grad gar nicht mehr aus.
Man wird’s eh bald wieder vergessen haben.
Der nächste Wahnsinn kommt bestimmt schon morgen!
Aber es gab da noch einen anderen Moment, den ich so schnell nicht mehr aus meinem Kopf bringen werde.
Melania Trump betet das „Vater unser“.
Da ist mir tatsächlich ein eiskalter Gruselschauer über den Rücken gelaufen. Seit der Amtseinführung ihres Mannes hat sie kaum ein Wort in der Öffentlichkeit über die Lippen gebracht.
Und nun betet sie das „Vater unser“ und liest es auch noch ab.
Das ist doch einmal der klare Beleg,
für eine gläubige und praktizierende Christin.
Ich finde, man hätte sie dabei noch auf einen Esel setzen und ihr ein Baby, incl. Heiligenschein, in die Arme legen sollen.
Aber wer hätte Ihr dann das Textblatt gehalten?
Was mich aber am meisten Erschauern ließ, war gar nicht die Tatsache, dass sie das „Vater unser“ ablesen musste.
Was mich richtig gepackt hat, war viel mehr die Einsicht:
sie ist nicht wirklich textsicher.
Ihre Stimme bebte und ich meine, es war nicht die feierliche Ergriffenheit von der Größe des eigenen Tuns.
Was bei mir ankam, war die blanke Angst, die nackte Panik: „Wenn ich mich jetzt verlese, dann haut der mich weg und besorgt sich eine Neue. Und keiner seiner Anhänger würde ihn dafür verurteilen. Im Gegenteil.“