Frühstückscafe

Hübsche junge Menschen trinken Cappuccino, unterhalten sich oder schauen gelangweilt in ihr Handy. Der Tag hat noch nicht richtig begonnen, man hängt in den Startlöchern und genießt es. Da betritt eine Gruppe von sehr wachen Rentnerinnen den Raum. Offenbar eine Touristengruppe, schon länger unterwegs, auf der Suche nach Kaffee und Kuchen. Fünf alte Frauen stehen mitten unter vielen sitzenden jungen Leuten und sehen sich um. Die Jungen sehen die Alten irritiert an
und fühlen sich in ihrer angenehmen Lethargie gestört.
„Was wollen die denn da?“
Schweigen im Raum, jeder schaut verstohlen hinter seiner Zeitschrift oder einem Display hervor.
Eine alte Dame bricht schließlich das Schweigen und meint: „Elfriede, hier gibt’s nur hohe Stühle!“
In der Tat. Im ganzen Raum befinden sich nur Barhocker,
an hohen Tischen. Ein schlechtes Gewissen beschleicht die Jugend. „Im Nebenraum gibt’s auch nur hohe Stühle und Tische!“ sagt eine andere alte Dame. Sie sagt das nicht beleidigt oder empört, sondern eher traurig feststellend.
Die Kuchen in der Vitrine sehen echt verlockend aus.
Zu gerne möchte man den süßen Omis etwas davon geben.
Ich überlege, ob ich anbieten sollte,
die Damen auf die Hocker zu hieven.
„Und die Hocker haben auch keine Rückenlehne!“
sagt eine weitere Dame. Ja klar. Was hilft es, wenn die da sitzen und dann doch irgendwann rückwärts vom Stuhl rutschen. „Schade, die Kuchen sehen wirklich gut aus.“
Ich wünsche mir eine Säge, Hammer und Nägel.
Ich möchte die Hocker umbauen, zu kleinen, gemütlichen Hockern mit Rückenlehne, die Sitzflächen polstern und die Armlehnen mit edlem Brokat besticken.
Da endlich, eine schöne junge Gästin weiß offenbar die Lösung: „Gehen Sie doch ganz nach hinten durch. Da stehen normale Tische und Stühle.“ Die Damen und die jungen Gäste atmen auf. Endlich wieder ein gutes Gewissen.
Da kommt die junge, hübsche Bedienung und meint:
„Den hinteren Raum hab ich abgesperrt. Ich bin heute ganz allein im Service. Ich schaff das sonst leider nicht. Sorry.“
Die Damen entschuldigen sich höflich für die Störung, verabschieden sich freundlich und gehen. Ein scheiß Gefühl!